MoGo Geringswalde

Wie alles begann, ein Bericht von Lutz Knoblauch

Es war Anfang der 70iger Jahre, als ich von einem Virus gepackt wurde, der mich bis heute nicht wieder losgelassen hat. “Motorrad” und alles was dazugehört, das ist seitdem aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.
Los ging es mit eigenwilligen Fahrradumbauten. In verschworener Komplizenschaft mit Onkel Paul (bgl. Günter Paul + jahrelang Cheffahrer im Landambulatorium, der mich schon das Radfahren gelehrt hatte), folgten erste Fahrversuche auf einem verstaubten Gemeindeschwestern-Essi (Simson SR2). Alles streng geheim, denn die Eltern durften ja nichts erfahren, war doch mein Erzeuger der Chef vom Onkel Paul und der Essi - Volkseigentum! Wäre das rausgekommen, hätte Vater sicher ellenlange Stellungnahmen bei den Genossen abgeben müssen, aber das war mir eigentlich alles wurscht, Hauptsache fahren!

Schon rechtzeitig hatte ich mit dem Sparen begonnen, um gleich mit 15 ein eigenes Moped zu kaufen. Zum Ersparten gesellten sich die Jugendweihe-u. Konfirmationsmoneten und ich kaufte mir 1973 meinen “Star”. Doch schon nach 4 bewegten Jahren kam die Trennung. Schweren Herzens verkaufte ich meinen grasgrünen, mit diversen Extras veredelten Star nach Mittweida, denn ich war der neuen MZ TS250/1 total verfallen. Mit meinem ersten Motorrad begann die Zeit der “großen” Reisen - Ostsee, Brünn und Balaton wurden nun angesteuert. Besonders die jährliche Fahrt nach Brünn zur Motorrad -WM konnte ich nun endlich selbst als Biker erleben. Dort wurde heftig fotografiert, gefachsimpelt und auch diverse Brieffreundschaften wurden geknüpft. Manche Ost-West-Bikerfreundschaft ist leider das Opfer der gierigen Hände des MFS geworden, wie ich später bei Einsicht in meine, immerhin 4-seitige, Stasi-Akte feststellen konnte. Aber all diesen Versuchen, mich vor dem bösen Klassenfeind zu beschützen, zum Trotz, war meine Infektion mit dem Motorrad -Virus mittlerweile chronisch geworden.


geringswalde amerika In einer geschmuggelten Motorradzeitschrift, las ich zum ersten Mal von einem Biker-Gottesdienst. Gab es doch im Westen tatsächlich so viele christliche Motorradfahrer, um ganze Plätze zu diesem Zweck zu füllen. Ich war schwer beeindruckt und träumte davon, einmal dort in aller Öffentlichkeit dabei zu sein. Auch in den 70+80igern war es für junge Christen in der DDR nicht immer so einfach, in der Öffentlichkeit als Christen aufzutreten.
Nach der sogenannten Wende, lernte ich den “Motorradpfarrer” Roberto Jahn aus dem Erzgebirge kennen. Uns verbindet seitdem eine echte Biker-Kameradschaft. Mit meiner ersten Suzuki fuhr ich 1992 nebst Freundin nach Bautzen zu meinem 1. Motorradfahrer-Gottesdienst. So viele wie in der alten Motorradzeitung waren wir noch nicht, aber ich war glücklich - ich hatte es geschafft, mein Traum war in Erfüllung gegangen





Später waren sehr oft Job und Firma - Grund und/oder Vorwand nicht hinzufahren, zum mittlerweile traditionell stark besuchten Bikergottesdienst von und mit Roberto Jahn am Rabensteiner Stausee bei Chemnitz.
Zu Beginn des Jahres 2003 besuchte ich geschäftlich mehrere Motorradmessen in Ost und West. Zu meiner großen Freude traf ich dabei mehrmals “Eminenz” (mein Spitzname für Roberto) und heckte mit Ihm den Plan aus, in Geringswalde einen Bikergottesdienst durchzuführen. Im Stillen sagte ich mir nämlich, das ich mit dieser Idee bei unserem damaligen Pfarrer, Frank Martin, sicher Unterstützung fände, denn unser Pfarrer gehörte “ Gott sei dank!” auch zu uns Bikern. Einige Telefonate später war alles geplant und der Termin stand fest:

Geringswalder Bikergottesdienst am 05.10.2003

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Als der denkwürdige Tag endlich da war, hatte unser Herrgott beschlossen, mein Gottvertrauen mal wieder ordentlich auf die Probe zu stellen, denn es regnete heftig und ohne Pause. Also, in letzter Minute rein in die Motorradkluft und dann fuhren wir zur Martin-Luther-Kirche. Trotz schlimmster Befürchtungen waren tatsächlich schon hartgesottene Biker, einige auch mit dem Auto, da. Roberto und das fleißige Team um Pfarrer Martin hatten die ganze Sache, trotz miesem Wetter, bereits fest im Griff ! Die E-Gitarren waren gestimmt und 2 Motorräder standen vorm Altar. Zu unserer besonderen Freude hatten auch einige Nicht-Biker den Weg zu uns gefunden, sogar der Fotograf der Freien Presse gab uns die Ehre. Dieser, nicht alltägliche, Gottesdienst war ein schönes Erlebnis für Alle.
Bei dem anschließenden kleinen Imbiss mit Kaffee und Gebäck wurde garantiert zum ersten Mal in der Geschichte unserer Kirche “Benzin” geredet.

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Seitdem ist dieser Gottesdienst mit Ausfahrt zum festen Programm geworden und viele Biker folgten mir bereits auf verschlungenen Pfaden durch unsere schöne Heimat um anschließend gemeinsam Gottesdienst zu feiern.

Wer neugierig geworden ist auf einen Motorrad-Gottesdienst und alles was dazu gehört, der ist herzlich eingeladen beim nächsten Mal selbst dabei zu sein, natürlich auch ohne Motorrad.

Ab 10:00 Uhr geht es auf idyllischen Straßen durch unseren schönen Landkreis Mittelsachsen.

Nach einem kleinen Imbiss unterwegs, findet ab 14 Uhr der Bikergottesdienst in der Martin-Luther-Kirche Geringswalde statt. Traditionell endet der Gottesdienst gegen 15.30 Uhr mit einem leckeren Kirchenkaffe.





Wir freuen uns auf Euer Kommen - Knobi und Team

PS: Eine Bitte - Eure Anmeldung erleichtert uns die Planung meldet Euch, wenn möglich an - Viele Dank!

Lutz Knoblauch, im August 2009

www.2rad-knoblauch.de

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