Christliche Motorradfahrer Sachsen e.V.

Der Verein

Der CMS hat seine Wurzeln im ehrenamtlichen Engagement einzelner Vereinsmitglieder. Schon von früher Jugend auf waren sie motorsportbegeistert. Nach der Wende begannen sie erste Bikergottesdienste und Bikerreisen anzubieten. Weiterlesen...


Rabenstein Herbst 2010

Bibeltext: 1. Petrus 5, 5c-11

Ein Jude ging einmal mit einer persönlichen Frage zum Rabbi. “Ich leide an Hochmut. Wie kann ich mich von diesem schlechten Charakterzug befreien?” fragte er.
Der Rabbi wies ihn an, sich zu setzen und zu warten. Der Gehilfe des Rabbi führte den nächsten Besucher herein. Der Rabbi nickte ihm zu, und er setzte sich. “Rabbi, ich habe eine heiratsfähige Tochter, aber kein Geld. Ich bin arm.”
Der Rabbi wandte sich dem ersten Juden zu und befahl ihm, dem Armen einen ordentlichen Geldbetrag zu geben, damit seine Tochter heiraten könne. “Aber Rabbi”, jammerte der Mann, “ich habe ja für mich selbst nicht genug!”
Der Rabbi half dem Armen auf andere Weise und ließ den nächsten Besucher rufen. Es war ein Jude mit einem schwierigen juristischen Problem. Der Rabbi wandte sich an den hochmütigen Juden und fragte: “Warum antwortest du ihm nicht?” Der Mann zuckte hilflos mit den Schultern. “Darüber habe ich nie etwas gelernt. Wie könnte ich ihm antworten?”
Also beantwortete der Rabbi die Frage selbst. Dann kam ein Jude, der den Rabbi um einen geschäftlichen Rat bat. Wieder wandte der Rabbi sich an den ersten Juden und sagte: “Willst du ihm nicht einen nützlichen Rat geben?”
Der Mann schüttelte den Kopf. “Ich habe kein Talent für Geschäfte”, sagte er.
Der Rabbi kümmerte sich selbst um die Angelegenheit. Als der Kaufmann gegangen war, sah der Rabbi den hochmütigen Juden an und sagte zu ihm: “Ich verstehe das nicht. Du hast kein Geld, keine Bildung und keinen Geschäftssinn. Trotzdem bist du ein Prahlhans. Was gibt es denn für dich zu prahlen?”

Lasst uns mal mit dieser Geschichte in die Predigt einsteigen! Sie spricht gleich zwei Grundgedanken des Bibeltextes an.
nämlich: Hochmut und Demut
Dazu packe ich noch zwei Wortpaare die ihren Ursprung im Predigtext haben:
Sorgen und versorgt sein
Besonnen und Wachsam

1. Hochmut und Demut
Wenn sich Harald Sturm der Enduroweltmeister sich mit seinen gerade mal geschätzten 165cm auf ein hochbeiniges Enduro schwingt, dann sieht das gewaltig nach Hochmut aus.
Aber man kann beruhigt sein, von ihm weiß ich, dass er es kann. Er überschätzt sich in dieser Frage nicht. Er weis was er kann.
Hochmut und Demut ist ein Wortpaar, das einen Gegensatz benennt. Ich wollte auch einmal ganz demütig sein. Mein Mentor, der das hörte sagte mir daraufhin einen Satz, den ich nie mehr vergessen werde: „Offen zur Schau gestellte Demut ist versteckter Hochmut!“

Was bedeutet nun „Demut“?
Der österreichischer Schriftsteller Hermann Bahr schreibt dazu: „Demut ist schließlich nichts als Einsicht.“ (1863 - 1934) Einsicht in was?
Vielleicht, dass es ein höheres Wesen als den Menschen gibt und dass der Gott der Bibel dieses nebulöse Wesen ist?!
Vielleicht die Einsicht, dass der Mensch zwar viel kann, aber wenig beherrscht und damit immer wieder Katastrophen produziert.
Vielleicht die Einsicht, das Gott etwas besonderes ist, heilig hätte man früher dazu gesagt. Ich kann ihm nicht das Wasser reichen.

Im Predigttext heißt es: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“
In der Bikerbibel steht an Stelle von „hochmütig“ – stolz.
Kann uns Stolz an einer lebensverändernden Begegnung mit Gott hindern?
Haben wir nicht immer voller Stolz gedacht, wir brauchen Gott nicht, weil wir es einfach drauf haben?
Ist Gott nur etwas für Schwache?
Für Leute, die allein das Leben nicht auf die Reihe bekommen?

Der Hochmütige steht voller Stolz vor einer Tür, die er zugebaut hat, weil er glaubt, Gott käme durch diese Tür in sein Leben.
Dabei hat er nie versucht diese Tür überhaupt zu öffnen, die Klinke herunter zu drücken. Er hat nicht bemerkt, dass Gott auf der anderen Seite die Tür abgeschlossen hat.

Gott widersteht den Hochmütigen….

Irgendwann kommt jeder Mensch einmal in die Lage, wo er mit Erschrecken bemerkt: „Ich hab´s ja gar nicht voll drauf!“
Ich fühle mich verloren, hilflos und hab keine Ahnung wie es weitergehen könnte.

Du kannst dich daran nicht erinnern? Du Glücklicher! Oder du hast es nur erfolgreich verdrängt. Mir ist in all den Jahren noch nie ein Mensch begegnet, der nicht mindestens eine Strophe eines Klageliedes anstimmen könnte.

Vielleicht helfen dir die folgenden Stichworte: Ehekrise, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Unfall, unheilbare Krankheit, plötzliche Behinderung, Einsamkeit….

In solchen Situationen rufen plötzlich auch die Stolzen zu Gott. Manche bewusst, denn wenn man nichts mehr zu verlieren hat, braucht man auch seinen Stolz nicht mehr und kann sich an eine letzte ewig-bleibende Institution wenden und nach Gott rufen.
In diesem Moment ist der Stolz verschwunden und Gott schließt und reißt die Türe auf und ist für dich da.

„Demut ist schließlich nichts als die Einsicht“… hieß es beim österreichischen Dichter und ich setzte fort: „ist nichts als die Einsicht, dass zwischen mir und Gott Welten liegen.“
Dem Demütigen ist Gott gnädig, haben wir gehört. Gott steht nicht schmollend hinter der Tür, mit verschränkten Armen und genießt, wie du an seiner Tür kratzt.

Menschlich verständlich, wenn da einer hinter der Tür stehen würde, sich die Hände reibt und seinen Sieg genießt.
Gott denkt und handelt nicht menschlich. Nicht in guten und nicht in schlechten Dingen.

Gott reißt die Tür auf und ist gnädig. Sogleich bist du ihm genauso wichtig, wie der der schon immer die Tür zu ihm offen hielt.
Deshalb kann man immer beginnen mit Gott zu leben, die Tür zu öffnen. Es braucht keinen besonderen Anlass.
Vielleicht ist es heute für dich dran?

Nächste Frage: Ist Gott nur etwas für Schwache?
Etwas für Luschen, Warmduscher, Opavorlasser…
Ich sage dir, bei Gott gibt es die ganze Palette der Menschheit. Da gibt es Schwache Menschen, die am Leben verzweifeln würden – für die ist Gott da.
Da gibt es aber auch die Starken.
Bei den Starken ist mir aufgefallen, die waren alle, durch die Bank Schwache, Luschen… bis sie Gott die Tür öffneten.

Nimm dir dann die Bikerbibel mit und lies die Geschichten in der Bibel und die Geschichten aus dem Leben der Motorradfahrer.
Es sind alles Geschichten, in denen aus Schwachen Starke wurden.
So mancher der stark daherkam verdeckte damit nur seine Schwachheit.
Jesus sagte zu Paulus einmal den Satz: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2.Kor. 12,9)
Beim Lesen dieser Lebensberichte kann man nur sagen: Amen, das heißt: Genau so ist es oder so soll es sein.

2. Sorgen und versorgt sein
Wir sorgen uns. Na klar, ohne eine gewisse Vorsorge geht es einfach nicht.
Wir sorgen uns um die gleichen Dinge, die auch unsere Schwachheit bezeichnen:
Wir sorgen uns um:
unsere Ehe,
um unsere Kinder
um unsere Arbeit
unser Geld und Besitz
um unsere Gesundheit
das tägliche Brot
Motorradfahrer sorgen sich vielleicht sogar um ihr Motorrad.
Ich mach das auch und ich kenne niemanden, der das nicht auch zu einem gewissen Grad macht.

Im Predigttext steht der Satz: „ Überlasst all eure Sorgen Gott, denn er sorgt sich um alles, was euch betrifft.“
Bedeutet das blauäugig durchs Leben zu gehen?
Meiner Überzeugung nach heißt es das nicht.
Es bedeutet: Lass dir nicht auf Dauer deinen Schlaf rauben von den Dingen, um die du dich sorgst!

Ich habe zwei Jahre sehr schlecht geschlafen. Immer wenn ich zur Ruhe kam, machte ich mir Sorgen um den CMS, um die Finanzen des Vereins und damit auch um meine Arbeitsstelle.
Beim Besuch des Bikerbibelkreises in Zschorlau, - wir haben damals draußen gesessen, habe ich das Problem einmal in Worte gefasst. Es gab viele Reaktionen darauf. Ich weiß noch, dass Beate Förster sich dafür besonders Zeit nahm.
Ich weiß ehrlich nicht mehr, was du gesagt hast, aber ich weiß dass seit dem mein Sorgen um diese Fragen einen normalen Rahmen angenommen haben.

Ich weiß, Gott sorgt dafür, dass wir bekommen was wir brauchen, wenn er es für richtig hält.
Selten oder nie fallen anschließend 500 Euroscheine vom Himmel, aber Gott öffnet die Geldbörsen von Menschen und es geht weiter.
Gott geht verrückte Wege. Wir brauchten einen Bus für Simon, damit er zu den Freizeiten unterwegs sein kann. Genauso aber auch für die unterschiedlichen Aufgaben unserer Arbeit. Und, er schenkte uns in diesem Sommer einen nagelneuen Mercedes Vito von der Sparkasse finanziert.
Ein paar Wochen später unterhalte ich mich mit einem Spediteur aus Chemnitz und der sagt mir, dass er einen großen roten Transporter in seiner Flotte hat.
Er hatte lange Zeit keine Ahnung warum er ihn nicht verkaufen wollte, nun wisse er es. ER stellt das Auto dem CMS zur Verfügung. Er ist beklebt und wann immer wir das Auto brauchen können wir es nutzen. Defakto haben wir nun zwei Busse.

Gott ist genial! In Israel riefen die Leute in solchen Situationen: „Gelobt sei Gott!“ auf Hebräisch: Halleluja.
Manchmal scheint Gott fast schon ein bisschen zu übertreiben. Er schöpft aber aus den Vollen.
Deshalb mache ich mir keine Sorgen um unsere Bikerbibelaktion. 30- tausend Euro kostet es 10 000 Bibeln zu verteilen. Die ersten 1000 sind schon raus und das Geld war da.
Sollten wir nicht 10 000 Bibeln in Sachsen verteilen, dann geben wir sie weiter an Stellen, wo sie gebraucht werden. Ich bin gespannt, wie das werden wird.

Wenn du zu Gott gehörst, dann vertrau darauf, dass sich plötzlich Türen öffnen und Hilfe von Stellen kommt, von denen du es nie vermutet hättest. Wir wollen aber auch darauf gefasst sein, dass Gottes Fürsorge manchmal anders aussehen kann als wir uns das wünschen.

Bekommen wird der Schwache, der die Hände aufhält und nicht glaubt es selbst richten zu können. Gott gibt was wir brauchen. Die Hände aufhalten müssen wir aber selbst.

So ist es dann wie bei Motorrad. Waschen, pflegen, Schmieren, Ölen das machen wir selbst, aber die Wartung, das durch reparieren überlassen wir den Profis.

3. Besonnen und Wachsam
In meiner alten Lutherbibel steht nicht Besonnen und Wachsam, sondern „seid nüchtern“
Na, mit „nüchtern“ können Biker wahrscheinlich mehr anfangen.
Motorradfahren sollte man nur, wenn man nüchtern ist. Bei einem Balancefahrzeug, wie einem Motorrad ist das noch mal wichtiger als beim Autofahren.
Wer jedoch Gefahren für sich selbst und andere reduzieren will, muss nüchtern sein egal was er fährt
Wenn das Leben gelingen soll, muss man besonnen sein. Man sollte die Gefahren kennen.
Wer sich aufs Motorrad setzt und keine Ahnung von den Gefahren hat, wird selbst zur Gefahr.
Die Gefahren zu kennen, heißt aber nicht, sich nicht mehr in den Verkehr zu wagen.
Wer mit Gott lebt, muss wissen, dass die Erde auf der wir leben noch nicht der Himmel ist.
Vielleicht gibt es einige, die den Himmel auf Erden haben, doch gerade die sehen meist nicht so glücklich aus.
Mit Gott leben bedeutet nicht abgehoben und lebensverachtend, sondern hier und jetzt und als Zeugnis für Jesus unterwegs zu sein.

Im Predigttext ist die Rede vom Gegenspieler Gottes. Da steht: Wie ein brüllender Löwe streicht er umher.
Auf unserer Südafrikatour im März haben wir Löwen gesehen. Aus sicherer Entfernung tat man ziemlich cool. Plötzlich springt der Löwe brüllend auf.
Der Löwe steht vor uns und uns ist das Herz in die Hosentasche gerutscht.
Mit einem Male war allen klar, das ist kein Kuscheltier.
Der Teufel, der wirkliche, nicht der aus den Bilder- und Märchenbüchern der Kindheit, ist kein Kuscheltier.
Er tut nichts lieber, als gute Dinge in zerstörerische zu verwandeln.
Er tut nichts lieber, als Menschen von Gott fern zu halten. Das muss man wissen.

Sei also wachsam und besonnen bei dem was du sagst, tust und denkst.
Lass dir deine Stärke nicht nehmen. Du gehörst zu Gott. Er ist der Dompteur des Löwen.
Gott ist in deiner Schwachheit mächtig. Du bist mächtig durch Gott. Deshalb kannst du ohne übermäßige Sorgen und Ängste durchs Leben gehen.

Amen!

Roberto Jahn, MoGo in Rabenstein Herbst 2010