Rabenstein Frühjahr 2015

Text: Joh. 16, 23b-28 (29-32)33
    
- Der Zollbeamte beugt sich in das geöffnete Fenster des Wagens, fragt: „Alkohol, Zigaretten?“
- Der Fahrer winkt ab: „Nein, bitte zwei Kaffee!“

- Nun, da gab es wohl ein Missverständnis. Schließlich wollte der Zollbeamte nicht die Bestellung aufnehmen.

- Nett vom Fahrer des Wagens, dass er „Bitte“ sagt: „Bitte zwei Kaffee.“
- Das lernt eigentlich schon jedes Kind, immer wieder trifft man dennoch auf Erwachsene und Kinder, denen kommt das Bitte nicht über die Lippen.

- Bitte zu sagen zeugt nicht nur von Anstand, sondern auch von Wertschätzung dem anderen gegenüber.

- Jesus erzählt seinen Zuhörern auch etwas über das Bitten, beispielhaft, aber nicht in Form eines konstruierten, erfundenen Beispiels, sondern als er verwendet das „Bitten“ als ein sehr konkretes, realistisches Beispiel.

- Text lesen (lassen)!

- Wenn Jesus hier mit dem Vater anfängt, dann meint er nicht den leiblichen Vater, den Stiefvater, sondern Gott, der Vater, der Schöpfer allen Lebens.

- Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.

- Ich habe Zweifel, ob dieser Wunschautomat funktioniert.
 

- Ich habe Zweifel, ob das stimmt. Sonderbarer Weise gar nicht, ob die Sache generell stimmt.
- Ich meine, mir ist klar, dass Gott alles kann.
- Ja, so glaube ich an Gott und nur so macht es für mich Sinn.
- Was soll ich an einen Gott glauben, der vielleicht gerade etwas mehr kann als ich selbst, als mein hochbegabter Freund...

- Ich zweifle aber, dass ich alles bekomme, worum ich Gott bitte.
- Die Erfahrung zeigt mir, dass ich eben nicht alles bekomme.

- Dabei haben sich meine Bitten mit dem Alter stark verändert.

- Als Kind habe ich gebetet: Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.

- Klingt komisch, wir fühlen uns vielleicht sonderbar berührt. Es tut uns gut zu sehen, wie jemand so ganz ohne wenn und aber sich auf Gott einlassen kann.
- Fast schon neidisch sehen wir das, aber im Grunde belächeln wir solche eine kindliche Naivität.

- Als ich Teenager war betete ich um ein richtiges Motorrad, was im Osten erwiesener Maßen recht schwierig war. Ich habe keines bekommen. Ich habe sie mir mit Freunden selbst gebaut.

- Als Jugendlicher habe ich Gott um eine Lehrstelle als Kfz-Schlosser gebeten. - Vor meinem Studium habe ich den ehrbaren Beruf des Bäckers erlernt.

- Heute bete ich, dass unsere Kinder auch einmal den Weg mit Jesus gehen. Ich will und kann sie ja nicht zwingen.

- Oder ich bete, dass Gott endlich all die Verrückten von dieser Erde entfernt, die die Menschen köpfen, sonst irgendwie umbringen, ich bete, das Politiker sich ihrer Aufgabe und ihrer Verantwortung bewusster werden.

- Und ich bete, dass wir nicht ständig das Gefühl haben zur kurz zu kommen und dass wir Menschen in Not aufnehmen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, sogar ihrer Religion oder ihrem Bildungsstands.

- Wie aber jeder merkt, meine Gebete, meine Bitten sind nicht so erfüllt worden, wie ich mir das vorgestellt habe.

- Woran liegt das?

- Wäre es nicht an der Zeit von den Dingen zu erzählen, die funktioniert haben?!

- Ja, dazu komm ich später noch.
- Noch interessiert mich, was ich falsch mache!?

- Wie lautet doch die scheinbar magische Formel? - „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er's euch geben.

- Was bedeutet das?

- Scheinbar ist es zu einfach, nur die Worte „in Jesu Namen“ vor oder hinter die Bitte zu schieben.

- Was bedeutet. „in meinem Namen“?

- Es bedeutet: Da gibt einer seinen guten Namen dafür her. Er steht voll hinter der Sache. Deshalb wirbt er wie Klaus Hipp, der Babynahrungsproduzent, mit seinem guten Namen.

- Bei den Synonymem finde ich zu „in meinem Namen“: stellvertretend.

- Es geht sozusagen nicht in erster Linie um die Erfüllung all meiner Wünsche. Denn da wären die Kirchen voll, wenn jeder der nur vor seinem Wunsch, die Zauberformel: „in Jesu Namen“ setzt, seinen Wunsch erfüllt bekäme.

- Kein Mensch müsste dann mehr missionieren, Menschen einladen, sondern man würde sich sozusagen selbst einladen, um am Tischlein-deck-dich-Gottes teilhaben zu können.

- Wie kommen wir weiter in unserer Frage? Wie funktioniert das mit den erfüllten Wünschen?

- In der Vorbereitung kam mir eine Idee. Bevor wir bitten, wäre die Frage zu stellen: Was würde Jesus jetzt wollen? Worum würde er jetzt bitten?

- Würde er bitten, dass ich in den Himmel komm?
- Ich glaub ja. Deshalb hat er auf seinen Posten als „Juniorchef“ verzichtet und hat unter uns Menschen gelebt. Er hat uns den Zugang zum Himmel wieder geöffnet.

- Würde Jesus Gott um ein Westmotorrad bitten?
- Ich vermute nein, weil es mir wünschte, um aus der Masse hervorzustechen.
- Es hätte meinen Hochmut unterstützt. Man wäre in der Szene exotischer gewesen als ein Marsmännchen auf einem erzgebirgischen Hutzenabend.

- Würde er um eine Lehrstelle als Kfz-Schlosser bitten?
- Nein, er würde Gott fragen, an welcher Stelle sein Platz ist. Welchen Beruf er lernen soll, um Gottes Willen erfüllen zu können.

- Würde Jesus für die Verrückten und die Politiker bitten?
- Ja, aber nicht um selbst besser schlafen zu können, sondern aus Liebe zu diesen Menschen, dass sie umkehren und Gott lieb gewinnen.

- Im Namen von Jesus zu bitten bedeutet nicht, vor jeder Bitte „im Namen Jesu“ zu schreien, sondern stellvertretend für Jesus zu bitten und deshalb zu fragen, was oder worum würde Jesus jetzt bitten.

- Es gibt also keine Zauberformel, keine magische Handlung mit der der Erfolg eines Gebets garantiert wäre.

- Und nun zu den Dingen die funktioniert haben.
- Gott sei Dank, darf ich heute ein wunderschönes Motorrad fahren, dass zu 90% meinen Vorstellungen entspricht.
- Gott sei Dank, habe ich heute den Beruf, der für mich auch Berufung ist und nicht nur Ausübung einer Tätigkeit.
- Gott sei Dank habe ich eine Familie, die sich 80% ganz nahe zu Gott hält.
- Gott sei Dank gibt es auch Politiker, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Wir brauchen mehr davon. Wir brauchen weniger, die an Stammtischen theoretisch wissen, wie es geht. Wir brauchen mehr Christen, die sich der Verantwortung in der Politik stellen und die nicht nach einigen Jahren zu Karrieristen werden.

- Es gibt in der Rückschau noch viel mehr solcher Dinge, die von Gott erhörte Gebete waren.

- Auf einigen unserer Freizeiten kann man ja ungeplanter Weise immer mal wieder verrückte Dinge erleben.
- Ein Quartier vor Jahren in Polen, bei dem wir bei Regen alle Gefäße nutzten um den Regen aufzufangen, weil es überall durch das Dach tropfte.
- Eine Regenfahrt in Nordfrankreich von der Englandfähre zu St. Michel.
- Eine Tour durch Rumänien bei dem es 5 platte Reifen nach einander gab.

- Kein Mensch erinnert sich oder erzählt von dem romantischen Abenden auf Korsika bei Lagerfeuer, Käse und Rotwein.
- Kein Mensch erzählt mehr von dem wunderbaren Quartier in den Mazedonischen Bergen...

- Wir vergessen das Gute. Halten es für normal und in der Erinnerung bleibt, was nicht so gut war. Das ist im ganz normalen Alltag so, aber eben auch im Rückblick auf das, was wir mit Gott erlebt haben.

- Jesus sagt seinen Zuhörern weiter:
- Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.

- Ganz klar! Macht nicht so weiter, wie bisher!
- Bittet so werdet ihr nehmen oder bekommen und eure Freude wird vollkommen sein.

- Vergib nicht die Chance, die Dinge zu verändern, die du im Namen von Jesus ändern könntest.
- Jesus fordert uns auf es praktisch zu tun.
- Bei Glauben an Gott geht es immer um die Praxis.
- Wenn Glauben nur was Theoretisches ist, dann kannst du es an die Wand nageln und vergessen. Dann taugt es nichts.

- Als Nachfolger von Jesus kannst du dich auf seine Verheißungen berufen, sie nutzen und dich auf sie verlassen.

- Viel zu selten tun wir das. Wir trauen uns nicht! Die Sache ist uns zu unsicher. Was ist, wenn es schief geht?
- Ich kann nur sagen, wenn diese letzte Frage, jederzeit, alle Menschen ausgebremst hätte, dann würden wir heute noch in Fellen gekleidet ums Feuer laufen.

- Ich sage dir, mach es! Wenn Gott etwas verspricht, dann hält er es auch.

- In der Regel trägt der Jäger den Dackel nicht zur Jagd.
- In der Regel beweist Gott sich nicht vorher.

- Wenn du in der nächsten Zeit die Bibel liest, dann lies sie einmal unter der Vorgabe: Achte auf alle Zusagen, Verheißungen oder Versprechen Gottes. Streich sie dir an. Steck ein Lesezeichen ein.

- UND dann nimm Gott beim Wort. Probier es aus. Du wirst Wunder erleben.

26 An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will;
27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.

- Seit einiger Zeit ist das Reformationsjubiläum im Gespräch. Für 2017 sind überall in der evangelischen Kirche Feierlichkeiten angesetzt.

- Ein Grund für die Reformation, war die ausufernde Verehrung von Heiligen.
- Heilige, die für einen selbst vor Gott eintraten. Die Fürsprecher meines Anliegens waren.

- Was Jesus hier sagt, ist genau das Gegenteil von solch einer Verehrung.
- Wir selbst werden Gott bitten. Ohne Zwischenhändler.
- Wir brauchen diese Zwischenhändler doch gar nicht, denn Jesus bezeugt, dass uns Gott, der Vater lieb hat und dass gilt noch einmal im besonderen Maße für die, die zu Jesus gehören.

- Wenn du zu Jesus gehörst, dann hast du direkten Zugang zu Gott. Du brauchst keine Audienz, keinen Fürsprecher.
- In Epheser 1,5 steht, das die Nachfolger von Jesus Gottes Kinder sein sollen.

- Unvorstellbar, dass solch ein Kind Gottes eine Audienz braucht. Wenn das Kind seinen Vater um etwas bittet, wird er ihm den Wunsch erfüllen, wenn es gut für das Kind ist.

- Das machst du doch genauso mit deinen Kindern oder Enkeln.
- Du hast sie herzlich lieb. Du würdest ihnen jeden Wunsch erfüllen, wenn es möglich wäre.

- Aber auch du machst eine Einschränkung. Wenn absehbar ist, dass der Wunsch nach hinten losgeht, deinem Kind oder Enkel nicht gut tut, dann wirst du den Wunsch nicht erfüllen.

- Gott ist Gott. Er hat das letzte Wort.
- Deshalb ist es gut, wichtig und richtig, wenn wir im Vaterunser beten „dein Wille geschehe im Himmel und auch auf Erden“.

- Schlussbemerkung: Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

- Frieden haben.
- In einem schon etwas in die Jahre gekommenen Jugendlied heißt es:
„Frieden ist mehr als, dass nur die Waffen schweigen!“

- Gott sei Dank leben wir seit 70 Jahren in Frieden. Das ist ein Geschenk. Wohl selten haben Generationen vor uns unter solchen Umständen gelebt.
- Friedensforscher meinen, dass es noch nie solch eine lange friedliche Phase gegeben hat.
- Unser Zustand ist also nicht der Standard sondern ein glücklicher Umstand, die Ausnahme?

- Das macht mir Angst. Tatsächlich überfällt mich manchmal die Angst davor, wie wir Menschen unser Zusammenleben in Zukunft sinnvoll regeln können.
- Tatsächlich macht mir Aggressivität Angst.
- „In der Welt habt ihr Angst.“
- Das ist der „Ist-Zustand“.
- Aber der ist nicht für immer.
- Gott verspricht eine neue Welt. Ohne all den Dingen, die uns wie Lasten auf den Schultern liegen.

- Das muss doch herrlich sein?! Jesus hat die Welt überwunden. Er hat den  Sieg davon getragen.
- Ich will auf der Seite des Siegers stehen.
- Ich will an seinem Sieg teilhaben.
- Ich will in dieser neuen Welt dabei sein.
- In Jesu Namen bitte ich darum, dabei sein zu können.
- Ich bitte das für meine Familie und für meine Freunde.
- Ich bitte das für dich, wissend dass du selbst diese Bitte wiederholen musst, denn ich kann es nicht stellvertretend für dich tun.

- Sprich es nun, für dich ganz leise oder sogar unhörbar: „Jesus ich will dabei sein, in deiner neuen Welt!“

AMEN!