Großolbersdorf 2015

Text: Lk. 14, 15-24

- Ich komme gerade vom 70. Geburtstag meiner Mutter.
- Alle sind gekommen. Tatsächlich aus nah und fern.

- Junge und Alte. Die Enkel und die alten Bekannten aus den Kindertagen meiner Mutter.
- Zuhause hätten gar nicht alle reingepasst, deshalb sind wir in Pfarrscheune in Großrückerswalde zu Gast.

- Genau aus diesem Grund, nämlich der großen Feier, bin ich dann heute ausnahmsweise auch mal ganz fix nach Ende des Gottesdienstes verschwunden.

- Aber du kannst verstehen, dass ich gerade mit dieser Geschichte ganz viel anfangen kann?!
- Dabei geht es hier nicht um den 70. Geburtstag von Herrn Gott, der das Ganze in seinem Einfamilienhimmel feiert und bei der sich alle über die Krankheiten der letzte Wochen und ein bisschen Stammtischpolitik unterhalten.

- Es geht in dieser Geschichte um DAS Fest.
- Das Fest, dass die einen Ewigkeit, die anderen die Königliche Hochzeit oder den Himmel, Gottes Reich oder wie auch immer nennen.

- Am Anfang unseres Textabschnittes lobt und preist ein Mann alle die, die beim großen Fest Gottes dabei sein werden.
- Wir würden vielleicht heute sagen: „Du hast´s gut, wenn du beim Fest Gottes dabei sein kannst!“
- Vielleicht fragen wir auch erstaunt: „Was du hast eine Einladung bekommen?“

- Es geht um ein ganz außergewöhnliches Fest.
- Es ist keine so eben initiierte Fete, bei der man noch mal schnell in den nächsten Supermarkt fährt, um die nötigen Dinge schnell einzukaufen.
Ein paar Bier, ein paar Chips und ein paar marinierte Steaks für den Grill.

- Zu diesem Fest gibt es eine Einladung.
- Bei uns heute wäre das eine schriftliche Einladung.
- Es gab aber auch Zeiten, in denen ging eine Einlader, ein Bediensteter herum und lud die Leute ein, die sein Herr ausgewählt hatte.

- Auch heute ist das so, dass du zu einer Feier bei der es Einladungen gibt,  nicht einfach so auftauchen solltest wie die 13. Fee bei Dörnröschens 18. Geburtstag.

- Bei größeren Anlässen oder wo man auf Etikette viel Wert legt, wird an der Tür jemand stehen, der die Gäste in Empfang nimmt und die Namen auf der Liste der Eingeladenen vergleicht und abhackt.

- Stehst du nicht drauf, kommst du nicht rein. „Du kummst hier nitt rain!“

- Das Gleichnis von dem Fest erzählen zwei der vier Evangelisten, der Berichterstatter über das Leben von Jesus.

- In jedem Falle hat es etwas mit Essen zu tun.
- Nicht einfach ein Fest.
- Kein Empfang beim Bundespräsidenten, wo es dann am Ende des Protokolls ein paar Häppchen gibt.

- Sondern so ein Fest, wo Essen und Trinken im Mittelpunkt steht. Lukas beschreibt es als das große Festessen und Matthäus als Abendmahl.

- In meiner Kindheit gab es noch solche Feste. Ich erinnere mich, dass wir damals von Zeit zu Zeit, einmal im Jahr, bei einer Familie in der Nähe von Halle an der Saale eingeladen waren.

- Es gab nichts zu feiern. Keine Hochzeit, kein Geburtstag einfach nur unser Wiedersehen.
- Dazu wurde dann ein Wildschwein auf den Spieß gebunden und stundenlang gegrillt und anschließend verzehrt.

- Was Keller und Vorratsraum zu bieten hatte, wurde auf den Tisch gestellt.
- Es ging nicht um Etikette, sondern um Freude, pure Freude.
- Da wurden leise Honneckerwitze erzählt und laut gelacht.

- Keiner zählte an diesem Abend Kalorien, sondern nur wie oft er schon nachgeholt hatte.

- Dann wurde Rommee oder Schummel Max gespielt, bis die Würfel rund waren.

- Das sind die Feste, die mir am besten in Erinnerung geblieben sind.

- Nun erzählt Jesus das Gleichnis nicht einfach so, weil er sich halb romantisch an die Feten im Sommer bei unseren Freunden in Halle erinnerte.

- Jesus erzählt das Gleichnis, denn Vergleich, damit seine Zuhörer besser verstehen, um was es ihn geht.

- Das Fest wird es geben. Das Fest wird nicht enden. Am Ende deines und meines Lebens beginnt das Fest oder die Hölle. Nicht irgendwann, nicht in ganz, ganz ferner Zukunft, sondern vielleicht dann, morgen, in einer Woche oder in 14 Jahren...

- Gott hatte eine Idee, einen Plan für die Welt.
- Wir Menschen hatten eigene Vorstellungen und haben den Plan, dass gute System damit ordentlich durcheinander gebracht.

- Am Ende des Durcheinanders in dieser Welt, in diesem Leben, bietet Gott einen entspannten Feierabend.

- Erstaunlicher Weise, haben sich die Fragen seit dem ersten Erzählen des Gleichnisses bis heute vermutlich etwas verschoben.

- Damals hätte kein Mensch nachgefragt, ob es dieses Fest denn wirklich geben wird.
- Es war klar für die Zuhörer damals, dass es das Fest geben wird.
- Es stand fest, dass es ein ewiges Leben oder den ewigen Tod geben wird.

- Wir stehen ja in der Gefahr schon dies anzuzweifeln.

- Und so geht es viel mehr um die, die dabei sein werden und die die nichts abbekommen werden, bei dem großen Fest.


- Da gibt es Gäste, die sind eingeladen. Für die war das Fest gedacht.
- Als es so weit ist, das Essen angerichtet und alles fertig ist, schickt der Gastgeber seine Bediensteten noch mal los und lässt die Leute sogar noch zu Hause abholen.

- Doch die haben alle eine andere Ausrede:
- Der Erste hat ein Feld gekauft und möchte es sich ansehen.
- Der Zweite hat 5 Paar Ochsen gekauft und möchte die sich ansehen.
- Und der Dritte hat sich gerade eine neue Frau gekau... hat gerade ein Frau geheiratet und möchte sie sich nun ansehen.

- Alle haben den Termin des Festes im Vorfeld gewusst. Es war keine Spontiparty.
- Alle halten andere Dinge für wichtiger. Alles sind im Grund nur Ausreden. Man hat keine Lust.

- So hatte sich Gott ursprünglich ein Volk auserwählt. Das Volk Israel, das Volk der Juden.
- Sie waren eingeladen. Niemand sonst.

- Bitte mach jetzt nicht dicht, weil dir durch den Kopf schießt,
    dass das doch ungerecht ist, wieso nur ein Volk, wieso ausgerechnet dieses Volk? Da haben andere ja gar keine Chance. Das ist ungerecht. Das geht so nicht.

- Doch das geht so, weil Gott Gott ist. ER ist der einzige der über sich nicht noch einen Chef hat und der sich nicht gegenüber einer höheren Instanz erklären oder rechtfertigen muss und schon gar nicht dir oder mir gegenüber.

- Also, Gott hat ein Volk auserwählt. Das gilt nach wie vor.

- Aber das Volk will in der Mehrheit die Einladung nicht annehmen.

- Im Gleichnis wird der Gastgeber zornig. Verständlich oder?

- Also lädt Gott die ein, die bislang keine Chance hatten.
- Der Gastgeber schickt seine Diener los. Die laden ein, wer ihnen über den Weg läuft.
- Lahme, Blinde, Krüppel und Arme – so lautet die Aufzählung im Gleichnis.

- Und die kommen. Die lassen sich das nicht zwei mal sagen.

- Und plötzlich gehören wir, du und ich zu den eingeladenen Gästen.
- Plötzlich sitzen wir mit am Tisch, wie selbstverständlich.

- Noch immer gibt es aber Platz an der Tafel des Gastgebers. Ein drittes Mal werden die Diener losgeschickt.

- Diesmal sollen sie an die Hecken und Zäune gehen, in die Fußgängerunterführungen, die Asylantenheime und zu den ideologisch Verblendeten. Ab jetzt ist sozusagen jeder eingeladen.

- Lukas legt in seiner Wiedergabe des Gleichnisses Wert auf die, die neu eingeladen sind und dass die zu erst Eingeladenen nun keine Chance mehr haben.

- Für dich gilt seit dem die Einladung Gottes an seinem Fest teilzunehmen.

- Hier nun könnte sich die Geschichte wiederholen.
- So wie sich die Katze in den Schwanz beißt oder so wie das Murmeltier täglich grüßt.
- Geschieht immer wieder das Gleiche.

- Gerade hast du vielleicht noch gedacht, wie dämlich ist das denn von dem Volk Israel, die Einladung Gottes auszuschlagen?!
So muss ich dich fragen, wie dämlich ist das denn, wenn du die Einladung Gottes nicht annimmst?!
Wenn du immer nur bis zur Tür kommst, die Feier drinnen hörst aber dann nicht über die Schwelle gehst?!

- Der Evangelist, der Berichterstatter über das Leben von Jesus Matthäus erzählt in der nahezu identischen Geschichte noch eine Kleinigkeit mehr.

- Nämlich der Gastgeber, der bei Matthäus ein König war, macht am Abend beim Essen die Runde und begrüßt nach und nach auch noch all die Gäste, die nun ganz unvermittelt an seiner Tafel sitzen.

- Es gehört zum Teil bis heute zu guter orientalischer Gastfreundlichkeit, den Gästen die Gelegenheit zu bieten sich frisch zu machen, sich zu waschen, auch noch mal ein gutes Parfüm aufzulegen bis dahin, dass Gäste feierliche Klamotten bekommen.

- Selbst in Amerika ist das so. Durch Filme und Berichte kennen wir das, dass die Brautjungfern ein Kleid von der Braut bekommen, dass nur wenig schlichter ist als ihr eigenes, das Brautkleid.

- So bekommen die Leute von der Straße, die Armen, die die sonst am Rande der Gesellschaft mit nur wenig Anerkennung leben, auch in der Geschichte ein Kleid für die Feier.

- Auf seiner Runde entdeckt der König einen der das Kleid abgelehnt hat. Es nicht angezogen hat und sich einfach so mit an den Tisch gesetzt hat.

- Auch hier macht der König kurzen Prozess. Er lässt den Mann rausschmeißen.
- Er hatte die gleiche Chance wie die anderen ein festliches Gewand anzulegen, aber er hat es vielleicht aus Hochmut nicht getan und er fliegt raus.

- Wenn du mit an der Tafel Gottes sitzen willst, dann musst du nicht perfekt und kein Saubermann sein, aber du solltest im Besitz einer „Weißen Weste“ sein.

- Die Weiße Weste musst du dir nicht einmal selbst versorgen. Gott hält sie dir wie ein Gentleman hin. Du musst nur noch rein schlüpfen.

- Diese Weste trägt einen Namen. Ein Label.
Nicht Lewis, nicht Wrangler, nicht Adidas oder Nike.

- Das Label der Weißen Weste heißt Jesus.

- Diese Weiße Weste ist deine Eintrittskarte zum Fest.

- Was ist das Problem bei Weißen Westen?

- Nun, sie bleiben nicht lange weiß. Nirgendwo sieht man Flecken so gut wir auf einer Weißen Weste.

- Deshalb zwei Fragen zum Schluss:

1. Bist du im Besitz der „Weißen Weste“?
2. Wie verschmutzt ist deine „Weiße Weste“?

- Daran wird sich nämlich entscheiden, ob du bei dem Festessen dabei bist.