Geringswalde 2015

Mogo Predigt Jahreslosung 2015 (Augustusburg und Geringswalde)

- Darf eine Predigt politisch sein?
- Das habe ich bei der ersten Mogo-Predigt des Jahres 2015gefragt.
- Ich frage euch. Wer sagt ja, bitte mal melden!
- Ich muss zugeben, dass ich das Ergebnis nicht einschätzen konnte.

- Ich muss aber gestehen, dass ich nur diese eine Vorbereitung dabei habe.
- Als ich selbst nachdachte, kam ich zu der Antwort, dass eine Predigt auch mal politisch sein kann, denn ich lebe nicht in zwei Welten.
- Ich bin nicht von Montag bis Samstag Roberto Jahn, die Privatperson und am Sonntagvormittag, zur üblichen Gottesdienstzeit bin ich Roberto Jahn der Christ, der Bikerpastor.
- Sondern, ich bin immer Roberto Jahn, Privatperson, Christ und Bikerpastor.
- Zu allen Zeiten, war es die Herausforderung den Inhalt der Bibel in die jeweilige Zeit zu übersetzen.
- Das ist sicher für den einen oder die andere nichts Neues.
- Ich sehe viele bekannte Gesichter in den Reihen. Das freut mich sehr.
- Ich sehe aber auch neue Gesichter, das freut mich umso mehr.
- Die alten Hasen bitte ich um einen Willkommensapplaus für die Neuen unter uns. (Applaus)
- Die alten Hasen wissen auch, dass wir traditionell zum ersten und zum letzten Bikergottesdienst des Jahres, auf der Augustusburg und in Geringswalde, immer über die Jahreslosung nachdenken.
- Die Jahreslosung ist ein Satz aus der Bibel, der gelost wurde, deshalb Losung und der für ein Jahr sozusagen als Überschrift, als Motto dient und der es verdient einmal besonders bedacht zu werden.
- Erstaunlich bei unserer Losung finde ich, dass die nicht Ende 2014 ausgelost worden ist, sondern wie immer schon zwei Jahre zuvor, also 2013.
- Wer konnte damals ahnen, welche Themen bei uns bei den Nachrichten des Jahres 2015 beschäftigen?
- Kein Mensch. Ich glaube nicht an Zufälle, an Glück, Schicksal, sondern daran, dass Gott alles weiß.
- So war der Griff in die Schüssel mit den in Frage kommenden Jahreslosungen auch kein Zufall, sondern Absicht, ja vielleicht gerade zu ein Wegweiser auf unserem Weg.
- Nun wollen wir endlich das Geheimnis um diese Jahreslosung lüften. Sie heißt:

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Röm. 15,7)

- Wo und wie bitte schön, soll Christus, soll Jesus uns angenommen haben?
- Bei angenommen fällt mir ein: Adoption.
- Ist jemand adoptiert?
- (Wenn sich jemand meldet: Darf ich dir ein paar Fragen zu dem Thema stellen? Wie kam es dazu, dass du adoptiert worden bist? Wie funktioniert eine Adoption? Kannst du dich noch daran erinnern?)
- Ansonsten Adoptionsprozess kurz erklären.
- So macht uns Gott in Jesus das Angebot zur Adoption. Du bist Gottes Geschöpf. Aber du sollst noch mehr sein. Du sollst Gottes Tochter, oder Sohn, Gottes Kind sein.
- Woher nehme ich das?
- In Epheser 1, 5 steht, dass wir die Kinder Gottes sein sollen, nach dem Wohlgefallen seines Willens.
- Mehr braucht es dazu nicht.
- Nun wird damit ein Dominoeffekt in Gang gesetzt. Jesus stößt uns an und wir stoßen den Nächsten an und der ...
- Nehmt einander an, das bedeutet, vom Gedanken der Adoption kommend, jemanden wie ein Kind bei sich aufnehmen.
- Oho, da sind wir aber wieder nahe dran am Leben, am Zeitgeschehen!!!
- Wie vielen Menschen sollen wir die Nächsten sein?
- Wie viele verkraftet unser Land noch?
- Hatten wir Anfang des Jahres noch Bedenken, wegen PEGIDA und all ihren Ablegern, so spielt das heute kaum noch eine Rolle.
- Die Ereignisse haben uns überrollt. So wie ein Tsunami sich durch ein Erdbeben ankündigt, dann aber nicht mehr aufgehalten werden kann, so kommt Welle für Welle mit Menschen, die ihrer Not entfliehen wollen.
- Und diese Not haben sie zumeist nicht selbst gemacht.
- Ganz ehrlich, ich und du, wir sind vielleicht mehr Schuld als die Leute, die jetzt kommen.
- Kriege entstehen meist wegen irgendwelcher Ressourcen. Ganz gleich ob sie Erdöl oder billige Arbeitskräfte heißen.
- Wir haben doch gedacht, das es normal ist, wenn ein T-Shirt unter 5,-€ kostet. Was soll der Produzent, der Arbeiter, der Baumwoll-Bauer in Pakistan daran verdienen?
- In einer globalisierten Welt, wo so ziemlich jeder, selbst der arme Mensch Zugriff aufs Internet hat, kann jeder sehen, eben auch der Bauer aus Pakistan, was sein T-Shirt hier bei uns kostet und was er davon abbekommt.
- Oder Mädchen die eigentlich zur Schule gehen sollten, nähen in Indien Fußbälle. Pro Ball bekommen sie 30 Cent.
- Was kostet der Ball bei uns? (Leute fragen)
- Soll er mal nur 30,-€ kosten, dann ist das das Hundertfache. Wie lange wird sich das Mädchen das noch ansehen, bevor sie sich auf den Weg macht?
- Ich kann die Ängste verstehen, weil niemand wirklich abschätzen kann, wie viele solcher Wellen uns noch erreichen werden.
- Ich verstehe auch die Bedenken, dass die Flüchtlinge vielleicht doch nicht nur die „Guten“ sind, aber mal ganz ehrlich, ist es nicht weltfremd zu denken, dass nur die „Guten“ die, die man gerade in der Wirtschaft gut gebrauchen könnte, kommen?
- Ich kann verstehen, wenn sich jemand um seinen Wohlstand ängstigt, aber ist nicht vieles von dem auf der Armut der anderen Menschen entstanden?
- Ich höre Fragen, ob da nicht viele Terroristen mit gekommen sind.
- In einer Zeit in der Terroristen Flugzeuge in Hochhäuser steuern, kann man doch nicht glauben, dass diese Menschen von Grenzen aufgehalten werden könnten. Die, die das machen wollen kommen. Ganz gleich wie hoch die Stacheldrähte und Mauern sind.
- Sind es wirklich alles Flüchtlinge vor Krieg und Gefahr für das eigene Leben?
- Vor 26 Jahren, machte sich ein Volk im Zentrum Europas zunächst auf den Weg in den Südosten, um von dort in völlig überfüllten Zügen in die damalige BRD zu flüchten.
- Wie viele von denen, die damals losgezogen sind, waren bedroht an Leib und Leben?
- Waren die meisten nicht einfach Wirtschaftsflüchtlinge und kamen aus einen „Sicheren Drittstaat“? Wobei der Begriff damals noch niemanden bekannt war.
- Meiner Erinnerung nach, sind die Menschen, die bedroht gewesen wären, damals in der DDR geblieben.
- Ein Großteil der Flüchtlinge waren Wirtschaftsflüchtlinge. Die Fotos von den verlassen Zeltstädte der DDR-Flüchtlinge in den

Südost-Europäischen – Deutschen Botschaften gleichen denen von heute 1:1.

- Ganz sicher waren damals auch nicht nur die „Guten“ auf dem Weg. Oder?
- Diese Reihe von Fragen könnte man noch fortsetzen. Diskussionen im Fernsehen werden versuchen uns zu erhellen, aber der wunde Punkt ist doch der, dass wir
- nicht unseren Nächsten geliebt haben, sondern, dass wir uns geliebt haben und zwar in allererster Linie.
- Diesbezüglich ist das Kind in den Brunnen gefallen.
- Wie aber wieder heraus?

  • 1. Hört mehr auf euer Herz als auf euren Verstand.

Ich glaube im Herzen hat jeder Mensch sehr viel mehr Liebe, als in seinem Verstand.

  • 2. Fragt euch mehr und mehr: Was würde Jesus dazu sagen, besser noch, was würde er tun?

- Ich habe mich das in letzter Zeit sehr oft gefragt. Ich denke, Jesus hätte zunächst jeden angenommen, so wie er ist.
- So jedenfalls begegnet mir Jesus in den Evangelien, in denen Matthäus, Markus, Lukas und Johannes erzählen, was sie wann und wo mit Jesus erlebt haben.
- Jesus hat immer klar Stellung bezogen.
- Irgendwie ganz anders wie wir selbst. Wir winden uns und verstecken unseren Glauben.
- Ich behaupte: Wenn wir uns unseres Glaubens sicherer wären, müssten wir das Andersartige nicht fürchten.
- Woran sollten sich den Einwanderer orientieren? Wir bieten doch gar keine Alternative z.B. zu ihrem islamischen Glauben, zu ihrer Andersartigkeit an?!

  • Wir nennen uns das Christliche Abendland, ABER wir gehen nicht in die Kirchen.

  • Die Bergpredigt von Jesus hat die Wertmaßstäbe für die meisten europäischen, also auch die deutsche Verfassung, Grundgesetz genannt, gelegt..., ABER wir kennen die Bergpredigt gar nicht mehr.

  • Die Zehn Gebote gehören zum Wertekodex unserer Gesellschaft, ABER es macht uns nichts aus sie zu brechen.

  • Wir feiern Weihnachten, ABER ca. 75% der Deutschen wissen gar nicht mehr warum sie feiern.

- Ein Gedanke den ich bei der Weihnachtsansprache von Stanislav Tillich gehört habe und der mich seit dem immer mal wieder ins Nachdenken gebracht hat, will ich noch weitergeben.
- Wer von uns würde heute hier sitzen, wenn nicht vor 50, 100 oder 200 Jahren oder zur Zeit des Berggeschreies seine Vorfahren hierher ausgewandert wären?
- Ich wahrscheinlich nicht, denn der Familienname Jahn kommt vermutlich aus dem Holländischen.
- Was hat Jesus noch anders gemacht als wir? Was würde Jesus tun?
- Entscheidend für ihn war:

  • Was steht in den Geboten?

  • Was ist Wille meines Vater, Gottes Wille?

- Die Gebote, die auch den Willen Gottes widerspiegeln, lassen sich in nur zwei Geboten zusammenfassen. Der CMS trägt es auf seinen Kutten.

Mt. 22, 37 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand!' 38 Das ist das erste und wichtigste Gebot. 39 Das zweite ist ebenso wichtig: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“

- Da klingt die Jahreslosung ja wie eine Herausforderung.

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Röm. 15,7)

- Das ist geradezu ein Christlicher Grundsatz geworden.
- Paulus gibt diesen Hinweis den ersten christlichen Gemeinden in Rom.
- Scheinbar lief es damals auch nicht gerade optimal.
- Wenige Zeilen davor musste Paulus die Leute ermahnen mit einer der schlimmsten Sachen aufzuhören, nämlich das über andere Reden, tratschen,...
- Schon damals waren die Gemeinden nicht perfekt.
- Du wirst auch heutzutage keine finden.
- Immer dort wo Menschen zusammen sind – menschelt es. Das muss man aushalten, sonst ist ein Zusammenleben nicht möglich.
- Gott hält das auch aus. Er hält es mit mir und mit dir aus.
- Mal Hand aufs Herz, das ist wirklich nicht immer einfach.
Konkret, wie sieht das aus, wenn wir die Jahreslosung ernst nehmen?!

- 1. Gott lieben. Wie geht das?
- Es beginnt damit, dass du ihn ernst nimmst.
- Wie verhältst du dich gegenüber einem Menschen, den du ernst nimmst?
- Verhalte dich genauso gegenüber Gott.
- Schiebe ihn nicht ab!
- Gib ihm Raum in deinem Leben!
- Gib ihm Zeit in deinem Leben.
- Mach ihm zu alltäglichen Partner und erlöse ihn vom Status des Notnagels.

- 2. Deinen Nächsten lieben – das klingt für mich nach Jahreslosung: Nehmt einander an!
- Es fällt auf: Jesus macht keine Ausnahmen. Er nennt niemanden für den die Liebe Gottes nicht gilt.
- Das wäre jedoch das Erste was uns einfallen würde – nämlich Ausnahmen zu machen.

  • Hans nicht, denn der ist doof.

  • Die Schiegermutter nicht – das braucht keine Begründung.

  • Den Ausländer nicht, denn der ist anders....

- Als Jesus diesen Satz sagte, wären ihm sicher mindestens genau so viele Ausnahmen eingefallen wie uns heute, denn die Welt, die Menschen waren nicht besser oder schlechter.
- Nun klingt das ja nach Krampf, den Anderen annehmen...
- Ja, das ist es, wenn du es aus dir selbst heraus machst. Dann ist das wie mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr, die du schon nach der ersten Woche aufgegeben hast.
- Da reicht es einfach nicht lange.
- Lange reicht es, wenn du selbst beschenkt bist. Du soviel bekommen hast, dass du es alleine gar nicht aufbrauchen kannst, es überall hervorquillt – dann kannst du weitergeben, ohne Angst zu haben selbst zu kurz zu kommen.
- Das klärt aber kein Finanzminister, keine Regierung.
- Dieses Übermaß an Überfluss gibt es nur bei Gott.
- Nicht falsch verstehen. Kein Überfluss an Reichtümern im herkömmlichen Sinne, sondern ein Überfluss an Angenommensein.
- Weil Gott mich angenommen hat, kann ich etwas weitergeben.
- Weil Gott dich angenommen hat, kannst du etwas weitergeben.

3. Sich selbst lieben.
- Ich kenne viele Leute, die können das selbst nicht.
- Die sind zu sich unbarmherziger als Gott es wäre.
- Die können sich selbst den Fehler nicht verzeihen.
- Die können sich im Spiegel nicht mit Freude ansehen.
- Denen wurde immer nur signalisiert: Du kannst nichts. Du taugst nichts.
- Schlimm!
- Doch niemand muss an diesem Punkt stehen bleiben, sondern seit der ersten Weihnacht steht das Angebot Gottes dir vor Augen, zunächst in Form des Kindes in der Futterkrippe und später als Jesus, der Christus.
- Barmherzigkeit will Gott an dir üben. Er will nicht Strafe sondern Freispruch für dein misslungenes Vorhaben.
- Jesus begegnet dir nicht verurteilend, sondern mit Liebe ohne dabei die Wahrheit zu verschweigen oder unter den Teppich zu kehren.
- Es gibt da einen der liebt dich bedingungslos. Der sagt: Du taugst was, schon allein deshalb, weil ich dich geschaffen habe.

- „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Röm. 15,7)

- Weil ich von Gott geliebt bin, will ich diese Challange, diese Herausforderung annehmen.
- Wer ist in deinem Lebensumfeld solch eine Herausforderung?
- Ich könnte dir sofort 2, 3 aus meinem Umfeld aufzählen.
- Da wären zum ersten... - das mach ich freilich nicht.
- Aber wenn dir auch gleich jemand eingefallen ist, dann gib dich nicht mit dem Istzustand zu Frieden.
- Nimm die Herausforderung an, das Eis aufzubrechen, Dinge wirklich zu verändern.
- Wir brauchen in den nächsten Jahren keine neuen politischen Bewegungen und Partei, was wir wirklich brauchen

  • ist eine Besinnung auf unsere christlichen Wurzeln,

  • Wir brauchen ein christliches Selbstbewusstsein, damit uns klar ist, was wir in unserem Land für Regeln wollen und welche nicht. Wer offen ist für alles – ist am Ende nicht ganz dicht.

  • Wir brauchen nicht mehr die Umdeutungen der Aussagen der Bibel, so dass sie recht bequem in unser Leben passen. Klare Linien helfen bei der Orientierung, aber nicht ohne die Leitblanken der Liebe.

  • Wir brauchen Menschen die mit der Liebe Gottes so angefüllt sind, dass sie förmlich überlaufen und so Liebe weitergeben können.

  • Wir brauchen mehr Täter, als Hörer des Wortes – das meint: Es wird nicht genügen, sich im Gottesdienst von Zeit zu Zeit mal berieseln zu lassen, sondern es wird den Vollzug des Glaubens im Alltag brauchen.

- Das alles braucht Mut.
- Aber: „Wir schaffen das!“ Zitat Dr. Angela Merkel
- Wir werden es auf Dauer nicht Kraft unserer eigenen Wassersuppe schaffen, sondern weil wir es als Wahrheit erfahren haben, dass Christus uns angenommen hat.
- Dann wird unser Leben, ein Lob auf Gott.
Amen – so soll es sein.