Wintermogo 5.11.2017

Wintermogopredigt 5.11.2017

Thema: Du sollst nicht töten.

6. Nicht töten: Wehrdienst, Bezug Bergpredigt, Passivitat - nichtstun, Rufmord,
Tyrannenmord, auch Tiere?, Todesstrafe, Verantwortungslosigkeit/Fahrlassigkeit
im Strasenverkehr


- Wenn du, wie ich schon als Kind mit Glauben in Kontakt gekommen bist, dann begleiten dich die 10-Gebote eigentlich fast schon ein ganzes Leben lang.
- Ich erinnere mich, wie die Geschichte von Mose, und wie er die Gebote ganz allein auf dem Berg Sinai von Gott erhalten hat, von den Kindermitarbeitern, meist Kindermitarbeiterinnen so lebendig erzählt wurde, dass einem ein Erpelpanzer wuchs, manche nennen das auch Gänsehaut…
- Ich erinnere mich an die Christenlehre. Der von uns Kindern geliebte Herr Kunath, ausgestattet mit einem großen grafischen Talent, malte auf lebensgroßen Pappen die wichtigsten Momente der Geschichten auf.
- Auch er erzählte uns, mit klarer lauter Stimme von den 10-Geboten.
- Sie kamen so regelmäßig vor, dass uns als Kind klar war: Achtung! Das ist wichtig.
- Als Jugendlicher entdeckte ich dann die Eigenverantwortung in Bezug auf die Gebote.
- Bisher galten die für andere und mein kindliches Gemüt hatte
  • keine Ahnung von anderen Göttern,
  • hatten sich kein festes Bild von Gott gemacht
  • hatte keine Ahnung davon, Vater und Mutter nicht zu ehren
  • hatte keine Ahnung davon, den Feiertag nicht zu heiligen, denn wir gingen so regelmäßig, jede Woche in die Kirche, dass ich erstaunt gefragt hätte, wären wir einmal nicht gegangen.
- um nur einige Bezüge zu nennen.

- Nun jedenfalls entdeckte ich als Puber-Tier, dass die Gebote etwas mit mir zu tun hatten.
- Z.B. das 6. Gebot: Du sollst nicht töten.
- Damit, - mit diesem Gebot, habe ich eine ganz persönliche Entwicklung durchgemacht.
- Damals vor rund 35 Jahren stand für mich fest, dass ich keine Waffe angreifen würde. Ich verweigerte den Wehrdienst und meldete mich zu den Bausoldaten.
- Für eine Totalverweigerung, was Knast bedeutet hätte, hatte ich nicht den Arsch in der Hose.
- Später musste ich mir eingestehen, dass es nicht nur Gehorsam gegenüber dem 6. Gebot war, sondern auch eine gehörige Menge an Opposition gegenüber dem DDR-Unrechtsstaat.
- Als junger Erwachsener, nach der Wende, begann meine Position der Verweigerung des Wehrdienstes zu bröckeln.
- Immer häufiger dachte ich, dass es gute Gründe geben könnte, als Christ Wehrdienst zu leisten.
- Dann hörte ich selbst eine Auslegung, eine Predigt zu den 10-Geboten.
- Die Aussage zum 6. Gebot beeindruckte mich stark.
- Da hieß es nämlich, das Gebot: Du sollst nicht töten. - schließt im Hebräischen Urtext, das töten als Soldat, im Verteidigungsfall ausdrücklich aus.

- Am 9.11.2006 stand in der Jüdische Allgemeine ein Artikel dazu.
- Da schreibt Elieser Segal:
Gewiss ist „töten“ auf deutsch ein umfassendes Verb, das alle Arten, jemanden ums Leben zu bringen, beinhaltet und für alle Arten von Opfern gilt. Diese allgemeine Bedeutung wird im Hebräischen durch das Verb „harag“ ausgedrückt.
Das Verb jedoch, das in der Tora für das Gebot verwendet wird, ist ein ganz anderes, nämlich „ratsah“, das mit „morden“ übersetzt werden sollte. Diese Wurzel bezieht sich nur auf verbrecherische Tötungshandlungen.

- Ich hatte mich also als Teenager, als Jugendlicher fälschlicher Weise auf das Gebot bei der Verweigerung des Dienstes mit der Waffe, berufen.
- Einerseits dachte ich: Wie doof von mir? Und ich fragte mich: Haben das die Leute von der Stasi auch gewusst und haben es dennoch durchgehen lassen?
- Andererseits dachte ich: Gott sei Dank! Ich war wirklich erleichtert. Dann bin ich also nicht mehr der Idiot der sich einfach abschlachten lässt, sondern der sich und seine Familie verteidigen darf.

- Heute habe ich kein Problem, wenn ich zur Vereidigung von Soldatinnen und Soldaten eingeladen werde.
- Ich hätte kein Problem bei einem bewaffneten Organ meinen Dienst zu tun, wenn es notwendig wäre und solange eine demokratische Staatsform über den Einsatz der Soldatinnen und Soldaten entscheidet.
- Als Jugendlicher war das für mich undenkbar.

- Eigentlich würde mich interessieren, Welche Aspekte euch im Bezug auf das Tötungsverbot einfallen. Es wäre cool, wenn ihr die jetzt einfach mal so reinruft. Ich versuche mitzuschreiben (Besser noch jemand am Laptop, der das Ganze dann auf die Leinwand „zaubert“).

- Wo haben wir Berührungspunkte mit diesem Gebot?
  • Wehrdienst,
  • Verantwortungslosigkeit/Fahrlässigkeit im Straßenverkehr,
  • Passivität - Nichtstun,
  • Rufmord,
  • Tyrannenmord,
  • auch Tiere?
  • Selbstmord,
  • Todesstrafe,
  • Bezug Bergpredigt,

- Die Aufzählung begann mit dem Wehrdienst. Da haben wir genug Berührungspunkte aufgezeigt.
- Als nächstes kam: Verantwortungslosigkeit im Straßenverkehr.

- Selten ist uns bewusst, dass die Fahrzeuge mit denen wir unterwegs sind, die Wirkung von Waffen haben.
- Nicht nur dass ich mich selbst damit töten kann, sondern ich kann auch Unzählige andere mit in den Tod reißen.
- Das Bewusstsein dafür lässt mich anders fahren.
- Entschuldigt, wenn ich wieder ein Beispiel von mir erzähle.
- Aber mir passieren jetzt manchmal Sachen, die wären mir vor 20 Jahren nicht passiert.
- Ich sitze heute manchmal im Auto oder auf dem Motorrad und denke: Fahr langsam, du trägst Verantwortung für deine Familie.
- In diesem Gedanken entdecke ich, dass die Gebote Gottes keine Verbote sind, sondern ein Geländer, um gut durch das Leben zu kommen.
- Noch mal deutlicher: Gott will uns durch die Gebote nichts nehmen, sondern ein gelingendes Leben schenken.

Passivität – Nichtstun
- Im Rechtsfall, vor Gericht nennt man das dann unterlasse Hilfeleistung.
- Ich kann mir nicht vorstellen, dass es vor Gott in Ordnung ist, zu zusehen, wie Menschen getötet werden und nichts dagegen zu tun.
- Bei meiner Suche nach Bibelstellen die meine Vermutung erhärten konnten, wurde ich vor allem in den Psalmen fündig.

- Die Tendenz der dort gefundenen Stellen ist eindeutig.
- Ps 10,18Du (Gott) verhilfst Waisen und Unterdrückten zu ihrem Recht und machst aller Gewalt auf Erden ein Ende.
- Wenn wir immer mehr so sein wollen wie Jesus, - ich erinnere an das Lobpreislied: „Immer mehr von dir...immer mehr sein wie du, immer mehr.“
- Wenn wir das also wollen, dann können wir nicht passiv sein.

- Wir alle sind viel unterwegs. Sei es wegen unserer Leidenschaft fürs Motorradfahren oder dienstlich. Unfälle gehören leider zum Verkehr.
- Wie viele Menschen fahren an verunfallten Menschen vorbei ohne zu helfen?
- Wie lange dauert es heute, bis ein barmherziger Samariter vorbei kommt.
- Offensichtlich war das damals schon Thema, sonst hätte Jesus das Gleichnis nicht erzählt.

- Bei der Betrachtung von der Wirkungszeit von Jesus, können wir feststellen, dass Jesus, wo immer es ging Kranke heilte und nicht etwa vorüber eilte.

  • Rufmord
  • Heute in unserer mediengeladenen Welt kann der Tot mitunter eine Erlösung sein, wenn man zuvor schon Rufmord betrieben hat.
- Uns muss klar sein, dass wenn wir schlecht über andere Reden, falsche Dinge behaupten, dass dies in der Konsequenz bis zum Verlust der Existenzgrundlage eines Menschen, einer Familie führen kann, dass es zu schweren psychischen Schäden führen kann. Rufmord ist wie Mord, nur viel schlimmer, weil der Ermordete alles mitbekommt.)

  • Tyrannenmord,
  • (Spielte immer eine Rolle in Diktaturen. Die Männer und Frauen des 20. Juli 1944 waren zu einem guten Teil Christen, Tyrannenmord = der Tod eines einzelnen Tyrannen erspart tausenden Leid und gewaltsamen Tod.
- Wer aber legt fest, ob es ein Tyrann ist? Wo ist die Grenze? Wer nimmt den Vollzug auf sich? Wie sichere ich mich dagegen ab, dass es nicht eine persönliche Abneigung, Antipathie ist?
- Das sind Fragen, die wir kaum jetzt beantworten können. Es sind Fragen, die immer nur in der aktuellen, akuten Situation abgewägt werden können.)

  • auch Tiere?
  • (Ernährung, Versuche, Nicht töten meint alles – was nichts mit Verteidigung zu tun hat, aber es meint auch nicht das Töten von Tieren. Also sind wir mit dem Gebot hier eigentlich an der falschen Stelle, wollen es aber nicht einfach beiseite schieben.
- Verfechter der Fleischlosen Ernährung berufen sich auf die Schöpfungsgeschichte. Der Mensch ernährte sich im Paradies offensichtlich nur von Pflanzen und Früchte 1. Mo. 1,29

 Und Gott sprach: »Seht her! Ich habe euch die Samen tragenden
Pflanzen auf der ganzen Erde und die Samen tragenden Früchte der Bäume als Nahrung gegeben.
- Allerdings sind die paradiesischen Zustände eben auch schon bald danach Geschichte.
- Wir finden in der Bibel jede Menge Speisevorschriften, der Fleisch wie selbstverständlich erwähnt ist. Es ist am Ende eine Gewissensent-scheidung, die aber vom 6. Gebot nicht abhängig gemacht werden kann.)
- Das extremste was ich in Bezug auf das 6. Gebot gehört habe, war die Problembeschreibung eines mir lieben Freundes, Motorradfahrers, Vielfahrers, dem es wirklich Probleme bereitet, dass er beim Motorradfahren Fliegen usw. tötet.
- Soweit bin ich also noch nicht.)

  • Sterbehilfe,
  • (Wer legt fest, ob Leben noch lebenswert ist? Es gibt nicht viele, aber es gibt Beispiele, wo todkranke Menschen weiterleben, entgegen allen Prognosen.
- Wann ist man alt genug, um gehen zu können?
- Mir ist klar, dass die Antworten unterschiedlich ausfallen. Je nach Bettoffenheitsgrad. Wer nicht betroffen ist, wird anders antworten als jemand der selbst sehr schwer krank ist, ständig Schmerzen leidet oder einen lieben Menschen pflegt, der derzeit so lebt.
- Gott legt die Spanne zwischen unserer Zeugung und dem Tod fest.
Tatsächlich kann das, - sollte das niemand anderes tun.
- 5. Buch Moses 32,39: Ich bin es, der tötet und der lebendig macht)

  • Ungeborenes Leben,
  • (Meist heißt es: „Das Leben zwischen Geburt und Tod...“ aus meiner Sicht ist das nicht richtig.
- Leben beginnt mit der Zeugung, mit der Verschmelzung von Samen- und Eizelle. Auch ungeborenes Leben ist von Gott geschaffenes Leben.
- Erstaunlich, dass wir Christen uns weitestgehend damit abgefunden haben, dass Abtreibung in unserem Land gängige Praxis ist. Wie selten gibt es noch einen Aufschrei gegen diese Praxis?
- Und, wenn man sich dagegen wert, mit welchen extremen Gegenreaktionen dabei zu rechnen ist.
- Wie viel bunter, lebendiger könnte die Welt sein, mit all den Menschen, die abgetrieben worden? Welche tollen Erfindungen hätten sie machen können? Vielleicht wäre das Energieproblem oder der Hunger in der Welt gelöst?)

  • Selbstmord, (Gott sei Dank werden Menschen, die sich das Leben genommen haben, inzwischen auch ganz normal beerdigt. Eselsbegräbnis = Der Begriff leitet sich von Jer 22,19 ab: „Er [der Verfluchte, Jojakim, König von Juda] soll wie ein Esel begraben werden, fortgeschleift und hinausgeworfen vor die Tore Jerusalems.“
- Viele Vorstellungen des Aberglaubens verbanden sich mit Selbstmördern. Unruhige Seelen, zum Teil wurden Selbstmörder post mortem noch einmal verurteilt und noch einmal hingerichtet.
- Nach jüdischer und später auch christlicher Auffassung war der Suizid eine schwere Sünde, weil ein Mensch damit dokumentiere, dass er nicht an die Gnade und Güte Gottes geglaubt habe.
- Sich selbst töten ist keine Alternative für einen Menschen mit einer intakten Gottesbeziehung.
- Denn uns muss bewusst sein: Gott wollte dass wir leben. Gott will, dass wir mit ihm leben und Gott will ewiges Leben für uns.
- Es gibt in der Bibel kein allgemein gültiges Versprechen für ein gesundes, schmerzfreies, sorgenfreies Leben in Wohlstand hier auf Erden.
- Das Maß dessen, was einzelnen Menschen an Leid zugedacht ist, erscheint ungerecht. Siehe Hiob!. Dort muss ich nicht zuschauen, sondern darf helfen. Vielleicht sogar helfen Leben zu erhalten.

  • Todesstrafe,
  • Jüdische Übersetzer und Theologen sind sogar der Meinung, dass Blutrache durch das 6. Gebot nicht eingeschränkt wird, geschweige denn, dass die Todesstrafe nicht möglich sein sollte.
- Auch wenn ich manchmal emotional verstehen kann, wenn man die Todesstrafe fordert, so widerspricht das dem vorhin schon zitierten Bibelwort aus 5. Mose 5. Buch Moses 32,39: Ich bin es, der tötet und der lebendig macht.
- Auch hier bestimmt der Blickwinkel die Einstellung. Solange man selbst nicht betroffen ist, ist das Thema weit weg und spielt keine Rolle.
- Selbstverständlich ist man für oder gegen Todesstrafe je nach Betroffenheit. So kann ein und der selbe Mensch in einem Moment voll dafür oder voll dagegen sein. Als Vater oder als Mutter eines getöteten Kindes oder als Vater und Mutter eines Kindes/(auch Erwachsene sind jemandes Kinder), also als Vater und Mutter eines mordenden Kindes, eines Täters.
- Wir sind emotional zu sehr gebunden. Tatsächlich erscheint es mir besser Gott ernst zu nehmen: 5. Buch Moses 32,39: Ich bin es, der tötet und der lebendig macht.

Bezug Bergpredigt,
Schade Jesus, dass du in der Bergpredigt nicht deutlicher über einzelne Aspekte des Tötens sprichst.

Vom Zorn
Ihr habt gehört, dass es im Gesetz von Mose heißt: `Du sollst nicht töten. Wer einen Mord begeht, wird verurteilt.

 Ich aber sage: Schon der, der nur zornig auf jemanden ist, wird verurteilt! Wer zu seinem Freund sagt: `Du Dummkopf!, den erwartet das Gericht. Und wer jemanden verflucht, dem droht das Feuer der Hölle.

- Bei Luther ist das ja zumindest noch überschrieben mit „Vom Töten“.
- Im ersten Moment könnte man sich darüber aufregen, aber dann stellt man fest, dass ja tatsächlich, alles was wir unter Mord verstehen mit Zorn beginnt.
- Jesus macht deutlich, der Mord beginnt sehr viel eher als beim ziehen der Waffe.
- Jesus stellt im Fortgang des Textes die Versöhnung als einziges probates Mittel in den Raum.

- Warum gibt es denn nun eigentlich das 6. Gebot?

- Gott möchte dein Leben erhalten und du sollst das deines Nächsten erhalten.

- Das Leben gilt in der Bibel als höchstes Gut. Freilich mit Einschränkungen.
- Denn auch ein Leben ohne Gott ist am Ende ein verlorenes Leben.
- Leben in der Beziehung mit Gott, ist Gottes Wille.

- Das hat zur Folge, dass du nicht gepannt, gespannt und verkrampft auf die Gebote schaust.
- Nicht wie das Kaninchen, das auf die Schlange starrend, gespannt und unfähig zur lebensrettenden Entscheidung ist.
- Du kannst deinen Blick über die Gebote gleiten lassen, du musst aber nicht auf sie starren, denn in Jesus, mit Jesus wird sich dein Leben immer mehr zu ihm hin verändern und du wirst entdecken: Das 6. Gebot, wie die anderen neun Gebote auch, sind ein gutes Geländer damit das Leben gelingt.
- Für deine Rettung, für ein ewiges Leben sind sie eher hinderlich, denn kein Mensch kann durch die Einhaltung aller Gebote vor Gott gerecht da stehen.
- Deshalb decken Gebote unser Versagen auf und decken auf das wir der Begnadigung durch Gott bedürfen.
- So will ich dir heute wieder zusagen: Wenn du zu Jesus gehörst bist du schon jetzt vor Gott gerecht.




AMEN!